Wildberg liegt in der Mitte des Städte-Dreiecks Neuruppin, Fehrbellin
und Kyritz. Die Ortschaft, in ihrer Anlage älter als die deutsche Besiedlung des
Heveller- und Liutizenlandes östlich der Havel, erhält bereits Mitte des 12. Jahrhundert
die Feldsteinkirche St. Nikolai von den im Norden missionierenden
Prämonstratensermönchen.
Im Mittelalter führt die Post- und Fernstraße Berlin-Hamburg durch
Wildberg. Das bringt die Kleinstadt im 14. Jahrhundert zu solcher Blüte, daß das
Kirchgebäude erheblich erweitert werden muß - ebenfalls aus Feldsteinen.
Oktober 1638 wird der Ort niedergebrannt, um sich dort verbergende
Schweden aufzufinden. Die Stadtrechte gehen verloren; die Fernstraße wird nach Bückwitz
verlegt. Nur die starken Grundmauern der Kirche sollen stehengeblieben sein.
Erst 1696 wird nach vielen Mühen die Wiederherstellung des nun
niedriger gehaltenen Kirchengebäudes vollendet - im zeitgenössischen Stil, mit flacher
Decke. Seither ziert ein weithin sichtbarer, 61 m hoher, spitzer gotischer Helm den Turm.
In den Jahren 1956/57 wird der Innenraum unter großen Opfern der
Gemeinde hergerichtet; über den Gräbern einiger Wildberger Pfarrer wird der Altarraum um
drei Stufen erhöht und mit Altar, Kanzel und Taufstein neu ausgestattet.
2. Baukurzbeschreibung des Gebäudes
Der Baukörper wirkt in sich geschlossen, ist aber nicht gegliedert.
Hinter dem quadratischen Westturm mit südlicher Eingangspforte und
gotisch spitzem Helm über mit gotischen Biforienfenstern versehenen Glockengeschoß
springt das Schiff mit den im Süden angelegten Seiteneingängen beiderseits deutlich vor.
Alter und neuerer Teil des Schiffs weisen die gleiche Breite auf.
Lediglich ein sanfter Knick an der Nahtstelle und die Art der Vermauerung zeigen an, daß
das Schiff in zwei Zeitphasen errichtet worden ist. Die Abfolge der Tür- und
Fensteröffnungen sind bei der Erweiterung offensichtlich vom Altbau im Prinzip
übernommen worden.
Beim Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden alle
Maueröffnungen verbreitert und ihre Stürze als Segmentbögen ausgeführt. Die
Dreier-Fenstergruppe am Ostgiebel mit ihren verschieden hohen, etwas flachen Spitzbogen
wurde dabei lediglich im Spitzbogenfeld vermauert und so dem barocken Stil angepaßt.
Die Höhenlage der Deckenbalken inbezug auf die Giebelfenstergruppe -
die Spitzbogen aller drei Fenster ragen über die Deckenbalken in den Dachraum hinein -
zeigt an, daß für Innenraum und Gebäudehöhe das mittelalterliche Maß nicht mehr
aufgenommen worden ist. Desgleichen verrät die Neigung des Satteldachs von ca. 45° den
Stil der "neuen Zeit".
Nur der Turm erhielt beim Wiederaufbau wieder ein gotisches Gepräge.
Von der Ausstattung der Dorfkirche ist derzeit nur das Vorhandensein
zweier Glocken, eine mit der Jahreszahl 1476, und eines Uhrwerks im Turm und die
Emporenkonstruktion mit Orgel, beide in eher klassizistischer Manier gestaltet, sowie
einige Bänke im Schiff zu vermerken.
Der Altarraum ist bis auf die neuzeitliche Taufe ausgeräumt.
Die ortsansässigen Familien von Zieten und Heisel haben ihre separat
eingefriedeten Begräbnisstätten direkt am Kirchgebäude, südlich und östlich des
Altarraums.
3. Zur Perspektive des Gebäudes
Ende der achtziger Jahre wurde durch die Kreisbaubrigade des
Kirchenkreises Ruppin das Dach des Kirchenschiffes der Wildberger St. Nikolaikirche neu
eingedeckt und eine Holzpanelzwischendecke eingezogen. Dabei wurde der Innenraum der
Kirchen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Kirche blieb weiterhin nicht nutzbar. Erst
durch zeitaufwendige und engagierte Arbeitseinsätze von Gemeindegliedern, konnte der
Kircheninnenraum provisorisch wieder hergerichtet werden und ab Dezember 1993 zu
größeren Veranstaltungen der Kirchengemeinde (Konzerte und Festgottesdienste) genutzt
werden.
Auf der Grundlage eines Beschlusses des GKR Wildberg vom 30.03.93,
wurde mit der Planung und Vorbereitung der Kirchensanierung und des Kircheninnenumbaus
begonnen. Dies mit dem Ziel, zukünftig das Kirchengebäude mit dazugehörigem Grundstück
als Gemeindezentrum zur Verfügung zu haben. Das marode Pfarrhaus mit Grundstück soll
verkauft, und der Verkaufserlös für die Arbeiten an der Kirche eingesetzt werden.
Der Kircheninnenumbau ist gemeinsam mit unserem Architekten, Herrn
Ewerien, so geplant, daß ein ca. 70 qm großer multifunktionaler Raum entsteht, der mit
einer Glas-Stahlkonstruktion vom Kirchenschiff abgeteilt wird, und WC, Teeküchenteil und
Stauraum für Materialien der Gemeindearbeit enthält.
Kleinere Reparatur- und Renovierungsarbeiten konnten in den letzten
Jahren an der Kirche vorgenommen werden. Dazu gehören u.a. die Erhebung, Sicherung und
Kartierung von Wandmalereien aus früheren Jahrhunderten, das Weißen der Kirchenwände
und der Zwischendecke und die Neuerstellung des Dachanschlusses zwischen Kirchenschiff und
Kirchturm aus Kupferblech.
Durch die großzügige Hilfe der Ev. Lukasgemeinde Karlsruhe steht die
Sanierung der Kirchenfenster (Neuverglasung, Anbringung einer Schutzverglasung aus
schußsicherem Glas und Neuverputzung der Fensterlaibungen und Fensterfaschen) kurz vor
der Fertigstellung.
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